Wenn es um die letzten Wochen geht, hilft eine Assoziationskette bei der Beschreibung meiner Gefühlslage: Hektik. WhatsApp. Insider-News und Hochrechnungen. Reiseverbote. Homeoffice. Lockdown. Homeschooling. Hamsterkauf-Vermeidung. Hometraining. Homeirgendwas. Spaziergänge. Zoom. Datenlecks. Blauer Himmel. Vögel. Radtouren. Joggerexplosion. Schutzmasken. Hoffnung. Ernüchterung. Fake News. Verschwörungen. Bill Gates. Wieder Home Irgendwas.

Schlag auf Schlag. So könnte es ewig weitergehen und es beschreibt ganz gut den Status quo unserer Welt. Die schüttelt es zwar kräftig durcheinander und bei vielen ist unklar, wie es weitergeht. Aber dass es unbedingt heute schlechter ist als vor einigen Monaten, das kann ich so nicht behaupten. Und dass wir – wie es einige fordern – schnellstmöglich zurück zu diesem Ausgangspunkt kommen sollten, erst recht nicht. Längst hat sich der Begriff des „New Normal“ in die Diskussionen eingeschlichen, und auch wenn noch keiner so richtig definiert hat, was denn dieses „New Normal“ einmal sein soll, so sind sich doch viele einig, dass es etwas anderes sein wird als zuvor.

Bei pioneer communications haben wir rechtzeitig und (so hoffe ich) besonnen genug reagiert, um den ersten Crash zu vermeiden. Was bin ich froh, dass wir schon 2018 vollumfänglich digitalisiert haben. Mein Team arbeitet großartig auch in der Distanz, von gemeinsamen Spaziergängen (mit Abstand natürlich!) bis zum virtuellen Feierabend-Drink machen wir das Beste draus und bleiben stabil. Aber auch für mich wird sich bald die Frage stellen, wie es sein soll, dieses „New Normal“. Mit mehr Homeoffice, das wir schon hatten aber jetzt besser ausgestalten? Mit weniger Reisen, die – wenn ich ehrlich bin – vielleicht auch eher nett als notwendig waren? Mit mehr Achtsamkeit untereinander – und weniger Ellenbogen? Wie wird mein Arbeitsalltag aussehen? Und was ist die nächste Krise? Ist es der Klima-Kollaps? Oder das nächste Monster-Virus? Oder doch einfach „nur“ die taumelnde Wirtschaft dieser Epoche, die sich ein bisschen überlebt hat?

Ist eigentlich auch egal.

Die Welt ist eine Dauerbaustelle. Und ich muss sie so nehmen, wie sie ist. (Erst) dann kann ich auch daran arbeiten, sie zu verändern. Ich sollte also aufhören, den Status quo zu bedauern und stattdessen meine Zeit weise nutzen, so flexibel wie möglich um auf die schnellen Wendungen reagieren zu können. Wieso spricht eigentlich keiner von Resilienz? Davon könnten wir vermutlich alle etwas mehr gebrauchen. Es hilft ja nix – also lasse ich das Auto stehen, setze mich aufs Fahrrad und radle an Outdoor-Sportlern vorbei einmal durch die Stadt, bevor die nächste Videokonferenz startet. Kurzer Halt auf der Brücke: Das Licht der untergehenden Sonne spiegelt sich im Fluss, der Himmel ist blau und ganz ohne Kondensstreifen. Während auf den Straßen kaum ein Auto fährt, bewegen sich die Kräne auf der Baustelle des Leipziger Zentralstadions langsam und fast majestätisch hin und her. Der Erstligist Rasenballsport nutzt die freie Zeit. Und macht sein Stadion fit für die Zukunft. Denn irgendeine wird’s schon geben – und das ist die gute Nachricht.

Dieser Beitrag unseres Gründers Benedict Rehbein ist ein Gastbeitrag für Ungestalt – ein Leipziger Unternehmen für Kommunikationsdesign.