Ich schreibe diese Zeilen aus dem Homeoffice. Mit einem Glas hochprozentigem Alkohol neben mir auf dem Tisch. Den verträgt das Virus nicht, wie jeder weiß. Oder etwa nicht?

Die Welt steht Kopf. Seit das Coronavirus die Welt im Eiltempo befällt, gibt es kaum noch ein ernst zu nehmendes anderes Thema. Medien überbieten sich mit Livetickern und „Breaking News“, die Kulturredaktionen senken resigniert die Stifte und geben ihren Platz seufzend an die Sonderredaktionen ab, die jedes noch so kleine Detail rund um das kranzförmige Virus (Corona) fast freudig aufbereiten – es ist (auch) ein Ergebnis unserer schnelllebigen Welt, dass ein kleiner (und sehr ernst zu nehmender!) Erreger tut, was er tut: Er erregt die Massen. Und die Medien lassen das nicht nur zu, sie befördern die Ausbreitung auch systembedingt. „Only bad news are good news“ – und davon gibt es derzeit jede Menge. Manche schlimmer, manche banaler.

Facebook-Post zum „Corona-Wahnsinn“ von „Der Westen“ am 13.03.2020 (Quelle: Facebook)

Dramatische News breiten sich schneller aus als derwesten.de „Johannes B. Kerner“ schreiben kann. Auch wirtschaftlich hat das „passende“ Auswirkungen – erst nur wenige, dann aber rasant und ganz massive: Nachdem bei den großen Weltleitmessen der „Mobile World Congress“ den Anfang gemacht hatte, sind inzwischen reihenweise Messen abgesagt worden – zuerst die Massentreffpunkte wie die SWSX oder die Leipziger Buchmesse, dann kleinere Kongresse und zuletzt Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen. Ein Trend, der schon bis zu Websites geführt hat, die für Übersicht im Absagedschungel sorgen sollen. Nach den Fachmessen kamen die Sportveranstaltungen und dann (in den meisten Ländern) die Parties unter die Räder – wer das nicht einsehen und trotzdem ausgehen will, verhält sich nicht gerade solidarisch (oder will es nicht anders).

„Was? Keine Parties mehr? Und kein Fußball!?“

Kein Zweifel: Jetzt hat das Problem alle Bevölkerungsschichten erreicht – und macht trotzdem keine Pause. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis nach der Fußball-Bundesliga auch die EM wackelt – oder gar Olympia in Tokio 2020. Wir befinden uns im Lockdown und es ist nicht abzusehen, wann dieser Zustand sich wieder nennenswert verbessern wird.

Zugegeben: Auch wir als Agentur haben die Tragweite im frühen Stadium der Pandemie zunächst nicht erkannt – und mit BERCELONA noch eine (kleine, fast intime!) Alternative zum abgesagten MWC organisiert. Inzwischen wissen wir: Wir hätten stattdessen schneller die sozialen Kontakte ins Virtuelle überführen sollen, wie es mittlerweile überall geschehen ist. Dazu gibt es durchaus kreative Ansätze: Live-Stream-Anbieter und Kollaborations-Tools wie Microsoft Teams haben dieser Tage Hochkonjunktur und wissen das zu nutzen. Auch wir arbeiten mittlerweile standardmäßig von zuhause, unsere drei Büros sind als Hubs zwar offen, aber deutlich leerer als sonst. Und Party ist ja letztlich auch das, was man draus macht:

Online-Artikel der BZ zum Party-Livestream des Kit Kat Club vom 15.03.2020 (Quelle: BZ)

COVID19 hat alles in kürzester Zeit kräftig durchgeschüttelt, nicht nur die Börsen, sondern unser ganzes Leben. Was wir in dieser Zeit aber nicht brauchen, ist Panik. Was wir auch nicht brauchen ist Egoismus – in Form von Last-Party-Heroes oder Hamsterkäufen.

Was wir stattdessen brauchen, ist Vertrauen. Und damit/dafür auch die richtige Kommunikation.

WhatsApp, Twitter und Facebook haben ihren ramponierten Ruf als Brandbeschleuniger der Massen leider bestätigt. Auf WhatsApp verbreiten sich – auch in Deutschland – rasant Fake News, die sich an Aufregung und Panikmache gegenseitig zu überbieten versuchen und massive Folgen haben. Bislang liefert zumindest Twitter zwar eine Live-Übersicht über den aktuellen Stand, eine sinnvolle Einordnung lassen alle genannten Kanäle aber vermissen – und das befördert dubiose Panikmacher oder Leute, die mit schlechten Scherzen die Massen verunsichern. Interessanterweise hat TikTok einen kleinen, aber bemerkenswerten Trend ausgelöst: Diverse Videos befördern Hygiene- und Sensibilisierungsmaßnahmen und haben schnell Verhaltensänderungen bewirkt. 1:0 für das Netzwerk, das vor allem junge User begeistert. Besagtes Video gibt’s übrigens auch auf YouTube – mit mittlerweile über 17 Millionen Views in einem Monat. Viralität? Eat this, Corona!

YouTube Video von „MIN OFFICIAL“ zum korrekten Händewaschen vom 23.02.2020 (Quelle: YouTube)

Was können wir tun? Richtig kommunizieren.

Viele News, viel Information, viel Verunsicherung. Fake News befeuern diese Situation. Die Menschen brauchen in dieser Extremsituation Unterstützung. Wie wohltuend ist es also, zu sehen, dass es auch Beiträge der Vernunft gibt. Wohl dem, der einen Kanal aufgebaut hat und jetzt auch ausreichende Teile seiner Zielgruppe direkt erreichen kann, wie lokal der Konsum Leipzig auf Instagram oder national das Bundesgesundheitsministerium auf Twitter (übrigens in mehreren Sprachen, darunter türkisch!).

Twitter-Post des Bundesministerium für Gesundheit über zuverlässige Informationsquellen zum Coronavirus vom 14.03.2020 (Quelle: Twitter)

Instagram-Post des Konsum Leipzig zu den unveränderten Öffnungszeiten ihrer Filialen vom 15.03.2020 (Quelle: Instagram)

Was wir leisten können (und müssen!), ist eine vernünftige und besonnene Kommunikation:

  • Informationen, sauber aufbereitet und wenn möglich in leichter Sprache für jedermann/jederfrau
  • Grafiken, die schnell und auf den Punkt die wichtigsten Themen erläutern (wie zum Beispiel #flattenthecurve und #HaltMalDieKurveFlach)
  • Erläuternde Hintergründe – zum Beispiel zu all denen, die unsere Systeme am Laufen halten, wie Logistik, Medizin, Pflege oder auch Energiewirtschaft
  • …und manchmal vielleicht eher nur wenige, kleine Info-Happen: Wir geben dem Affen keinen Zucker, wenn es nicht sein muss. Alles wird gut.

Gute Kommunikation. Das ist unsere Aufgabe als Profis in diesem Bereich. Kommunikation prägt diese Gesellschaft, in der wir leben und gibt die notwendige Orientierung in Zeiten des Info-Overkills. Und wir leisten im Erfolgsfall mit einer guten Kommunikation einen Beitrag, der nicht zu unterschätzen ist. Denn in Krisen wie wieder ist es manchmal nicht der Virus, der die größte Gefahr bedeutet, sondern der Umgang damit.

Lasst uns also Spuren hinterlassen – aber die richtigen!

Ein Kommentar von Benedict Rehbein, Managing Partner bei pioneer communications