Ein Kommentar von Johannes Setzer, Content- und Social Media-Manager

Reine Tonspur. Mit völlig Fremden in Telefonkonferenzen zu landen, empfinde ich mindestens so spannend wie die Einführung des Likes. Ob Clubhouse Social Media ist? Unbedingt – nur eben flüchtiger denn je. Denn Beiträge bekommen keinen Raum, sondern Zeit. Ist sie verstrichen, wars das. Selbst bei lauter werdender Kritik um die App, wurde mir schnell klar: Das Format „Interaktiver Podcast“ wird nicht auf Clubhouse bleiben, sondern eine neue Kommunikationsform stellen.

Nur 30% der Smartphone-Nutzer*innen in Deutschland können aktuell mit ihrem Apple-Gerät im Clubhouse teilnehmen. Wie auch du – abgesehen von den Fragen zum Datenschutz, einer Geräte-Elite oder all den ungefragten Wortmeldungen von Thomas Gottschalk… Der Typ ist wirklich überall – einen positiven Blick auf die neuen Kommunikationswege entwickeln kannst? Dazu will ich dich mit 3 kleinen Anekdoten aus meinen ersten Clubhouse-Tagen mit einem Augenzwinkern abholen.

Übung 1: Zuhören üben

In meinem ersten Clubhouse-Chat mit dem Thema „How are you today?“ glaubte ich erst an eine technische Störung. Sechs Teilnehmer drinnen und nichts zu hören. Nach zwei Minuten Stille dann endlich meldete sich der Moderator Jason in US-amerikanischem Bass:

„Danke, dass ihr die Stille zulassen könnt, um einfach im Moment und im Hier und Jetzt zu sein“.

Ok. Nach noch mehr Stille schlich Jason, wie er später erklärte, Audio-Aufnahmen aus seiner Weltreise ein: Zu hören waren ein Hörspiel aus Straßengeräuschen, Pferdehufen, Motoren, Kindern und Vogelgezwitscher. Nun beginnt er jeden Teilnehmer einzuladen, seine eigenen Assoziationen zum Gehörten zu teilen. Tagtraum für Tagtraum von Sprechern aus Ungarn, London und Seattle in sanften, ruhigen Worten – wow! In den Clubhouse-Dschungel gesprungen, hatte mich dieser in einem hochkarätigen Fantasy-Workshop wieder ausgespuckt, während ich immer tiefer in meine Leipziger Couch sank.

„And you, Dscho-Hahn-nes?“ Jason spricht zu mir, als kennen wir uns seit der Kindheit. „Wanna’ share your visions and dreams with the others or stay simply private, gently listening because that’s Ok.” Ich habe dann tatsächlich noch ein wenig genossen, nichts sagen zu müssen, bevor ich ins kalte Wasser sprang und meinen Tagtraum teilte. Warum das ein perfekter Start war?

Wer professionellen Sprechern zuhören will, konnte das bislang gut in Podcasts tun. Clubhouse hingegen bietet auch Amateuren Redezeit. Der Gewinn? Meinungen auf Social Media, sonst in Posts und Kommentaren formuliert, sind als unperfekte Gesprächsfetzen viel authentischer. Deine Übung 1 ist also:

Lass dich auf echte Menschen ein.

Übung 2: Komfortzone verlassen

Eine neue Plattform hat ganz ohne durchperfektionierte Marketing-Einflüsse etwas angenehm Chaotisches an sich. Nach einer überflüssigen Wortmeldung von Thomas in #Mittags-im-Regierungsviertel, traf ich in einem weiteren Raum mit Namen „Performance Marketing“ auf zwei junge Schreibtisch-Helden, die ihre Self-Made-Man Geschichten teilten. Wir spielten uns schnell in ein angenehmes Nerd-Ping-Pong ein: Echt? Nein. So? Respekt. Push? Achso. Offline? Genau. Bis der Moderator den neuen Gast Kevin (nennen wir ihn einfach Kevin) auf die Bühne holte, der sich später als Party-Crasher entpuppen sollte. Leadgenerierung, das war sein großes Thema. Oder besser in seinen Worten:

„Leeeeeeeaaaaaads!“

Kevin kannte jedes Fachwort, hat bereits jeden Funnel gebaut – lebt glücklich mit Freundin in Tel Aviv und weiß außerdem auch sehr gut zu allem Bescheid. Kevin weiß auch, wo die Märkte sind, was da passiert, wen das interessiert und wie das Optimierungspotenzial für noch mehr „Leeeaaads“ anzugehen sind.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mich erbärmlich lange Zeit gekostet hat, zu verstehen, dass Kevins Performance im Absatz illegaler Drogen im Dark Web besteht. Auch wenn das definitiv nicht mein Feld ist und ich an diesem Tag auch kein Leeeaaad für Kevin werden konnte – ein guter Krimi, eine weitere, sehr gute Zuhör-Übung und einen noch besseren Grund zum Lachen war diese Clubhouse-Session allemal.

Der Algorithmus der App wird dir mit der Zeit anhand der Sprecher*innen, denen du folgst, personalisierte Raumempfehlungen geben. Damit dir die Perlen des echten Lebens nicht entgehen, lautet deine Übung 2 also:

Besuche Chats, die dich nicht interessieren.

Übung 3: Der Wahrheit ins Auge schauen

Es blieb lange spannend für mich! In „Clubhouse sucht den Superstar“ hörte ich in Deutsch-Pop-Runden den Scouts von Plattenfirmen und ihren Bewerbern beim Singen zu, diskutierte zur Homeoffice-Verpflichtung mit Berliner Stadträten, nahm an Trivia-Quiz Runden teil und unterhielt mich in Selbsthilfe-Gruppen zum Thema Mut. Dann kam die halbe Stunde, die mir die Augen öffnete. „Umweltbewusste Ernährung 2021“! Das hörte sich spannend an. Ich betrat den Raum als Gast Nummer 500 in Minute 60 oder 70:

„… können wir das Thema an der Stelle auch noch weiter ausbauen, denn ich glaube, dass das viele Leute auch wirklich interessiert und wir damit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft stellen können! Danke dafür!“ – „Danke Thomas, danke Kevin und danke auch auf jeden Fall nochmal an alle Beteiligten.“ – „Ich möchte mich auch nochmal bedanken, dass ihr das überhaupt möglich gemacht habt. Good Job Marcel! Und natürlich Thomas, danke dir!“ – „Ist doch klar. Danke auch, dass ihr mich auf die Bühne geholt habt. Petra! Ich freu mich wirklich sehr!“ – „Nein, danke dir fürs Mitmachen!“ „Ihr seid Besten, vielen lieben Dank!“ – „Danke, ihr gebt mir so viel Energie! Herzlichen Dank!“

„Danke!“

30 Minuten lang. Es hat nie aufgehört.

Ähnlich habe ich das in einem Leipzig-Marketing-Raum zum Thema „Es ist so warm, man könnte denken, es ist Frühling!“ erlebt. Spätestens jetzt bist du bereit, der Wahrheit ins Auge zu schauen. Auch wenn Podcasts mit Clubhouse interaktiv werden, sind die Inhalte dieselben. Übung 3 lässt dich im Hype wieder mit zwei Beinen auf der Erde landen:

Lass dich nicht beeindrucken.

Fazit

„Je mehr menschliche Nähe gelingt, desto besser das Online Marketing.“ Unter diesem Credo bietet das neue Medium als erster interaktiver Podcast Unternehmen und Institutionen ein weiteres Kalkül, Privatpersonen Kommunikationsangebote zu machen.

Durch die Followerschaften und Autoritäten werden die Rollen der Unternehmenssprecher und Influencer als Moderatoren und Publikumsmagnete gestärkt.

Allein die Politik-Kanäle aus Berlin zeigen, dass Pressearbeit und Marketing sich um ein Stück weiter verzahnen.

Den größten Gewinn aber machen im Moment sicher diejenigen, die sich völlig privat aus der Einsamkeit unserer Zeit mit ein paar guten Gesprächen das Herz erleichtern können.

Wie wir die Chancen deines Unternehmens auf der neuen App heben? Let’s talk!